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SDM-002

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| Prozessoptimierung

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Wenn ein System schlecht funktioniert, aber alle so tun, als sei das ein Feature.

Manche Systeme funktionieren auffallend schlecht. Noch auffälliger ist nur die Geschwindigkeit, mit der diese Schwäche zur angeblichen Stärke erklärt wird.

Überforderter Mitarbeiter in einem chaotischen Büro, in dem Probleme mit positiv klingenden Begriffen schöngeredet werden.

Es gibt einen besonderen Moment moderner Systeme. Den Moment nämlich, in dem ein offensichtliches Problem offiziell aufhört, ein Problem zu sein.

Früher war das relativ unkompliziert. Wenn etwas schlecht organisiert war, sagte man:
„Das ist schlecht organisiert.“

Heute beginnt stattdessen gerne mal die sprachliche Veredelung. Plötzlich heißt das Problem:

  • agil,

  • flexibel,

  • dynamisch,

  • adaptiv,

  • resilient,

oder „im Wandel“.

Das ist irgendwie faszinierend, denn „agil“ z.B. bedeutet oft lediglich, dass keiner mehr genau weiß, was eigentlich passiert.

Solche Systeme kann man meist recht schnell erkennen.

Niemand hat Zeit.
Niemand kennt Zuständigkeiten.
Alle arbeiten „priorisiert“.
Und trotzdem dauert alles länger als früher.

Besonders interessant wird es, wenn offensichtliche Ineffizienz plötzlich als kulturelle Stärke verkauft wird.

Beispiel: Meetings.
Ein Termin beginnt zwölf Minuten zu spät, weil drei Teilnehmer noch in anderen Meetings festhängen, zwei ihre Kamera nicht aktiviert bekommen und jemand versehentlich die Präsentation aus dem falschen Quartal geöffnet hat.

Früher hätte man gesagt:
„Das läuft nicht besonders gut.“

Heute sagt jemand:
„Wir haben aktuell eine sehr dynamische Arbeitsphase.“

Dynamisch.

Ein interessantes Wort.

Auch ein Einkaufswagen mit kaputtem Rad ist dynamisch.

Oder Hotlines.
Man ruft irgendwo an, hört acht Minuten Fahrstuhlmusik und wird anschließend durch ein Sprachmenü geleitet, das klingt, als hätte ein sehr trauriger Drucker plötzlich Bewusstsein entwickelt.

„Bitte nennen Sie kurz den Grund Ihres Anrufs.“
„Mitarbeiter.“
„Ich habe Sie nicht verstanden.“

Nein, natürlich nicht. Schon klar.

Nach weiteren sieben Minuten landet man dann schließlich bei einem Menschen, der einem erklärt, dafür leider nicht zuständig zu sein.

Früher wäre das schlicht “schlechter Service” gewesen. Heute spricht man von:
„Digital optimierter Kundensteuerung.“ Na ja, Steuerung stimmt immerhin, nur, man wird nirgendwohin gesteuert.

Besonders schön wird es beim Thema Personalmangel.

Personalmangel existiert heute eigentlich offiziell gar nicht mehr. Heute heißt das: „schlanke Struktur.“ Das klingt fast sportlich, als hätte das Unternehmen etwas Positives erreicht. Tatsächlich bedeutet es aber meistens nur, dass drei Menschen dauerhaft die Arbeit von acht erledigen und dabei langsam anfangen, ihre eigene Handschrift nicht mehr zu erkennen.

Trotzdem fallen dann Sätze wie: „Wir setzen auf maximale Effizienz.“

Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant mit nur einem Koch, zwei kaputten Herdplatten und 94 wartenden Gästen stolz erklären, man arbeite jetzt besonders gastorientiert.

Überhaupt scheint Sprache heutzutage zunehmend dafür genutzt zu werden, offensichtliche Schwächen wie bewusste Entscheidungen aussehen zu lassen.

Planlosigkeit wird: „offener Entwicklungsprozess.“
Dauerstress: „hohe Dynamik.“
Chronische Überforderung: „anspruchsvolles Umfeld.“
Und komplette Orientierungslosigkeit: „flexible Prozesskultur.“

Das funktioniert erstaunlich gut.

Menschen akzeptieren fast alles, solange man es professionell formuliert und nach Möglichkeit noch ein paar Anglizismen rein quetscht. 

Wenn früher jemand gesagt hätte: „Wir wissen aktuell selbst nicht genau, was wir tun“,
wäre zumindest leichte Unruhe entstanden. 

Heute sagt man:
„Wir befinden uns aktuell in einer iterativen Findungsphase mit einigen Challenges im Workflow.“ 

Und plötzlich nicken Menschen ernst.

Je schlechter etwas organisiert ist, desto englischer wird es gerne beschrieben. 

Der Drucker ist kaputt?
Nein.
„Wir haben aktuell technische Issues im Print-Bereich.“ 
Das klingt sofort deutlich innovativer

Besonders beeindruckend ist dabei die Geschwindigkeit, mit der schlechte Abläufe inzwischen normalisiert werden.

Ein Mitarbeiter beantwortet gleichzeitig Mails, Telefonate, Chatnachrichten und Teams-Anfragen, während im Hintergrund irgendwo dauerhaft ein Benachrichtigungston explodiert.

Früher hätte man gefragt:
„Ist das nicht völlig bescheuert organisiert?“

Heute nennt man das: „moderne Multitasking-Kultur.“

Multitasking … auch eines dieser Wörter, die deutlich besser klingen, als sie sich anfühlen. Im Grunde beschreibt es eigentlich oft nur den Zustand, mehrere Dinge gleichzeitig unvollständig zu erledigen.

Harald arbeitete einmal in einem Unternehmen, das seine komplette organisatorische Verwirrung ernsthaft als „Startup-Mentalität“ bezeichnete.

Nichts funktionierte zuverlässig. Termine verschwanden, Zuständigkeiten wechselten täglich, niemand wusste, welche Version einer Datei aktuell war. Ein Drucker stand monatelang halb zerlegt in einem Flur und wurde irgendwann Teil der Büroeinrichtung. Aber ständig fiel der Begriff: „Flexibilität.“

Irgendwann sagte jemand in einer Besprechung: „Wir müssen lernen, mit Unsicherheit zu arbeiten.“

Herrlich!

Harald wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr sicher, ob er dort überhaupt noch angestellt war.

Der eigentliche Schwachsinn an all dem ist aber nicht die schlechte Organisation, denn die gab es immer schon. Nein, es ist das völlige Verweigern, diese als Problem zu bezeichnen. Und das ist neu.

Systeme scheitern heute nicht mehr, sie “transformieren“ lediglich.


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Schwachsinn

„Das darf nicht wahr sein“ in seinen Varianten.

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Rational fragwürdig. Emotional schwierig.

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